Auf die Plätze!

Citizen Science in deiner Stadt

Briefmarkensammlung war gestern. Jetzt kümmern wir uns um unsere stadtgeschichtliche Sammlung

Foto: Alissa Krusch

Wenn alles so läuft, wie wir es geplant haben, sind die meisten von uns am letzten Wochenende im Januar frisch verliebt! Da fängt das Jahr 2024 doch gleich gut an!

Im Wittener Projekt Heimat Reloaded wollen wir mit Hilfe des Märkischen Museums, des Stadtarchivs, des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark und mit allen interessierten Bürger*innen aus Stadt und Region eine dezentral eingelagerte stadtgeschichtliche Sammlung entstauben, entrümpeln, erschließen, erforschen und ergänzen.

Nach dem in Teilen hektischen und sehr dynamischen Ideensprint im Sommer standen die vergangenen Wochen des Projekts komplett im Zeichen der Organisation, der Raum- und Terminfindung des Brainstormens, Überlegens und Verwerfens, aber jetzt wird es endlich absehbar konkret.

Mehrere Personen betreten ein Gebäude mit der Aufschrift "Kulturforum Witten".
Foto: Alissa Krusch

Wie fangen wir an?

Wir werden im Dezember aus den Depots und Lagerräumen der oben genannten Institutionen etwa 20 Gegenstände holen. Vielleicht sind es Bilder oder Skulpturen, eventuell alte Karten, Straßenschilder oder Reliquien längst geschlossener Betriebe oder Warenhäuser, möglicherweise Alltagsgegenstände oder aber Spezialwerkzeuge. Vielleicht überraschen wir uns selbst, und bringen etwas an die Öffentlichkeit, woran wir jetzt noch gar nicht denken. Wir werden versuchen, die komplette Bandbreite der Sammlung abzudecken. Diese werden wir dann unseren Citizen Scientists am 27. und 28. Januar im soziokulturellen Zentrum „WERK*STADT“ in Witten präsentieren und zwar einzelne Objekte, aber auch gemischte Kisten unbekannten Inhalts. Ein Überraschungseffekt, so wie am Weihnachtsabend ist dabei durchaus beabsichtigt. Auch wenn die allerwenigsten Dinge am Ende verschenkt werden: wir sind überzeugt, dass sich unsere Forschenden direkt vor Ort in eines oder mehrere Objekte verlieben werden. Wir werden also ziemlich sicher den Beweis erbringen, dass es Liebe auf den ersten Blick wirklich gibt!  Die alten Hasen im Projekt, die mit einer aktiven Erinnerung an die frühere Sammlung, dürfen natürlich gerne im Vorfeld ihr Lieblingsobjekt benennen und so ihre alte Liebe auffrischen. Das kann ja auch sehr schön sein.

Im Vergleich zu „frisch verliebt sein“ war unsere erste große Sondierungsrunde an einem trüben Novembertag eher sachlich, aber sehr spannend. Man läuft sehr selten im Dienst oder privat einen ganzen Tag über Dachböden, durch Abstellkammern und angemietete Depots. Bislang stand auch noch keiner von uns vor einem Umzugskarton, der mit „Eiszeitvitrine“ beschriftet war. Ohne zu spoilern können wir verraten, dass sich in der Kiste viele kuriose und interessante Dinge befanden, allerdings kein Werbematerial eines namhaften Speiseeisherstellers.

Ein Lagerraum voller Gegenstände.
Foto: Alissa Krusch

Wie vermutet variierte die Größe der vorhandenen Objekte. Wir sahen einen komplett aufgebauten Webstuhl und eine kleine Medikamentendose, wir betrachteten sowohl Zufallsfunde als auch akribisch gesammelte Bestände, wir bestaunten grobem Unfug und feinstes Kunsthandwerk. Es war alles dabei… und mittendrin steht noch eine alte Büroeinrichtung, die irgendjemand vor Jahren lieber in die 3. Etage unters Dach geschleppt hat, statt sie verdientermaßen bei Sperrmüll an die Straße zu stellen. Es sieht echt aus… äh… wie auf dem Dachboden.

Es besteht von unserer Seite im Projekt deshalb nicht nur die Hoffnung, dass sich unsere Forschenden frisch verlieben, wir hoffen natürlich auch, dass wir uns im Laufe der nächsten Monate hier und da vom beschriebenen Sperrmüll und dem eingelagerten groben Unfug trennen können.

Nach dem Rundgang haben wir uns bewusst entschieden, dass wir für den Start der Veranstaltung nicht nur aus organisatorischen Gründen eine Vorauswahl treffen sollten, denn wenn wir mit unseren Forschenden in größeren Gruppen durch unsere Depots gehen würden, ginge sicherlich der Eine oder die Andere unterwegs verloren.

Die von uns ausgewählten Objekte werden dann unter fachkundiger Anleitung unseres Workshopleiters Benedikt Bego-Ghina in einer Reihe von Workshops, bis in den Sommer hinein, unter verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet. Weitere Lieblingsstücke können im Laufe des Projekts ergänzt werden.

Am Ende des Projektzeitraums sollten wir dem Ziel einer zukunftsfähigen „Sammlung + Mensch“ ein ganzes Stück nähergekommen sein.

Auch wenn wir in der Überschrift indirekt gesagt haben, Briefmarken sammeln sei von gestern: sollte jemand eine entsprechende Sammlung mit Wittener Stadtmotiven haben, wären wir natürlich interessiert.

Wir sehen uns am letzten Wochenende im Januar…

Heimat Reloaded: Gemeinsam haben wir das Wir auf den Sockel

Bei dem Preisträger-Projekt 2023-2024 „Heimat reloaded" soll das Wissen der Stadtgesellschaft gebündelt werden, um eine im Depot des Märkischen Museums Witten liegende heimatkundliche Sammlung wiederzubeleben. Ziel ist es, eine neue, dauerhafte und zeitgemäße stadt- und heimatkundliche Ausstellung zu schaffen. Diese soll möglichst die Geschichte und Identität aller Menschen in Witten abbilden und zukünftig dynamisch und bürgerschaftlich weitergeführt werden.