Auf die Plätze!

Citizen Science in deiner Stadt

Von Taubenuhren, Kartoffeleimern und inniger Liebe

Foto: Dana Schmidt

Wir stecken mitten in der Umsetzungsphase: Manches wurde schon erfolgreich umgesetzt, manches wird in Kürze passieren, manches steckt noch etwas im Ungefähren und etwas wird einfach nicht wie geplant funktionieren. Es ist wie im wirklichen Leben.

Das Positive überwiegt deutlich. Wir haben seit Januar 2024 eine stabile Gruppe von mehr als zehn Citizen Scientists, die eine Patenschaft für ein Objekt aus der Wittener Stadt- und Regionalgeschichte übernommen haben und sich regelmäßig in Workshops trifft. „Verlieben in die Objekte“ haben wir das damals genannt. Check!  ✅ Ist passiert, heiß und innig.


Die Forschungsergebnisse jeder und jedes Einzelnen gehen über die reinen Objektgeschichten regelmäßig deutlich hinaus. Zur Fahne eines Sportvereins von 1848 kann man nicht nur fragen: Wer hat sie gemacht? Wann? Aus welchem Material? Aus welchem Anlass? In welcher Größe? Historikerinnen und Historiker fragen immer wieder auch: Warum und mit welchen Folgen? Und genau das tun unsere Citizen Scientists auch. Konkret steckt man zum Beispiel plötzlich in der lokalen Geschichte eines Sportvereins und in der politisch brodelnden Zeit rund um das Jahr 1848. Das Objekt wird zum Verweis auf ganz viel mehr. 

Zur Geschichte eines Spinnrades gehört etwa die Geschichte des Handwerks und der Produktionsbedingungen, zur Geschichte eines Kartoffeleimers gehört unversehens die Sozial-, Ernährungs- und auch Kulturgeschichte. Von einer Taubenuhr ausgehend landet man schnell bei der Bedeutung des Taubensports für das Ruhrgebiet oder man beißt sich an ihrer ausgefeilten Mechanik fest. Die erste Beschäftigung mit zwei dieser Uhren löste tatsächlich bei einigen Kursteilnehmenden Gefühlsregungen aus, die an Kinder unter dem Weihnachtsbaum oder Männer (und ja, vielleicht auch Frauen) vor Modelleisenbahnen erinnerten. 


Wohin es uns Forschende auch treiben wird - gemeinsam mit den begleitenden wissenschaftlichen Institutionen sind wir regelmäßig überrascht, was solch ein Perspektivwechsel doch bringen kann.

Das Projekt kommt langsam in die Phase, in der die Ergebnisse auch nach außen sichtbar und nach außen präsentiert werden können. Im Mai- und Juni-Workshop werden wir uns mit der Datenbank OMEKA beschäftigen, mit der Objekte und ihre Geschichten erfasst werden können. Damit wäre das Hauptziel des Projekts „Heimat Reloaded“ erreicht.

Wir wollen aber mehr! Die Pläne für eine Präsentation der ausgewählten Objekte und ihrer Geschichte im Märkischen Museum Witten werden konkreter: Raumbelegungen müssen geplant, Ausstellungsmöbel organisiert, gekauft oder sogar neu gebaut werden. 


Mit dem Sprung ins Museum wird die nächste Phase der öffentlichen Ansprache erreicht. Was bisher über Flyer, Medien und viele persönliche Kontakte lief, erhält eine breitere Basis. Wir wollen alle Forschenden über die Förderphase hinaus dauerhaft an Bord behalten und die Gruppe nach Möglichkeit dynamisch erweitern und verstetigen.

Ein Podcast, den wir zusätzlich im Sommer angehen wollen, wird dazu beitragen, die vielen Geschichten hörbar zu machen. Wir Forschenden werden unsere persönliche Liebesgeschichte zu den Objekten erzählen: Wir machen uns einen “Summer of Love“.

„Heimat Reloaded“ hat uns ordentlich Antrieb gegeben, kostet uns aber auch sehr viel Energie, keine Frage. Wieviel Engagement unsere ehrenamtlichen Citizen Scientists, die Engagierten des Vereins für Orts- und Heimatkunde und die Teams des Stadtarchivs und des Märkischen Museums Witten für dieses Projekt aufbringen, ist erstaunlich, manchmal schon etwas beängstigend, aber vor allem wunderschön. Dass Forschung kein Alleingang am Schreibtisch ist, beweist einmal mehr dieses Projekt.

Wir sind auf die Ergebnisse gespannt und freuen uns schon jetzt auf das „Fest der Dinge“ Ende September. Die Welt könnte viele “Summer of Love“ vertragen, wir auch!

Heimat Reloaded: Gemeinsam heben wir das Wir auf den Sockel

Bei dem Preisträger-Projekt 2023-2024 „Heimat reloaded" soll das Wissen der Stadtgesellschaft gebündelt werden, um eine im Depot des Märkischen Museums Witten liegende heimatkundliche Sammlung wiederzubeleben. Ziel ist es, eine neue, dauerhafte und zeitgemäße stadt- und heimatkundliche Ausstellung zu schaffen. Diese soll möglichst die Geschichte und Identität aller Menschen in Witten abbilden und zukünftig dynamisch und bürgerschaftlich weitergeführt werden.